Stellungnahme zum geplanten Umbau des Unterhaltsvorschusses
Die FREIEN WÄHLER Frauen Bayern begrüßen das Ziel der Bundesregierung, unterhaltspflichtige Elternteile konsequenter in die Verantwortung zu nehmen. Eltern tragen dauerhaft Verantwortung für ihre Kinder, auch nach einer Trennung. Wer leistungsfähig ist, muss seiner Unterhaltspflicht zuverlässig nachkommen. Bewusstes Verschweigen von Einkommen, falsche Angaben oder die gezielte Vermeidung von Unterhaltszahlungen erfordern eine konsequente staatliche Reaktion.
Unterhaltsvorschuss: Zahlen, die zum Handeln verpflichten
Die aktuellen Zahlen zeigen erheblichen Handlungsbedarf: Im Jahr 2025 wurden bundesweit rund 3,28 Milliarden Euro Unterhaltsvorschuss ausgezahlt. Den Ausgaben standen lediglich rund 574 Millionen Euro an Rückgriffseinnahmen gegenüber. Gleichzeitig beliefen sich die offenen Forderungen auf rund 6,52 Milliarden Euro. Mehr als 91 Prozent der betreuenden Elternteile im laufenden Leistungsbezug waren Frauen. Diese Zahlen verdeutlichen die frauen- und familienpolitische Dimension des Themas.
Kein Sparen auf Kosten unserer Kinder
Die geplante Streichung des Unterhaltsvorschusses für 16- und 17-jährige Jugendliche lehnen wir entschieden ab. Sie würde ausgerechnet diejenigen finanziell belasten, die für die ausgefallenen Unterhaltszahlungen keinerlei Verantwortung tragen: die Kinder und den betreuenden Elternteil, in neun von zehn Fällen eine Frau. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums wären rund 110.000 Jugendliche betroffen; bei etwa 80.000 von ihnen drohen konkrete finanzielle Einbußen.
Familien brauchen Sicherheit statt Kürzungen
Jugendliche verursachen mit zunehmendem Alter erhebliche Kosten für Ernährung, Kleidung, Mobilität, Schule und Ausbildung. Der Unterhaltsanspruch eines Kindes endet auch nicht mit dem 16. Geburtstag. Eine Kürzung des staatlichen Vorschusses löst das eigentliche Problem der ausbleibenden Unterhaltszahlung daher nicht. Sie verlagert das finanzielle Risiko auf die Familien, die bereits die Hauptlast tragen.
Die FREIEN WÄHLER Frauen Bayern fordern eine grundlegende Verbesserung des Unterhaltsrückgriffs:
- zentrale Unterhaltsstellen auf Landesebene mit einheitlichen Standards,
- eine digitale Überwachung titulierten Kindesunterhalts,
- einen schnelleren Datenaustausch zwischen Jugendämtern, Finanzbehörden, Arbeitgebern und Sozialleistungsträgern,
- die konsequente Prüfung von Einkommen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit,
- den unmittelbaren Einzug vollstreckbarer Forderungen über Lohn, Konto oder staatliche Leistungen,
- eine gebündelte Bearbeitung und konsequente Vollstreckung,
- wirksame Sanktionen bei nachgewiesener Täuschung und vorsätzlicher Unterhaltsverweigerung,
- faire Ratenmodelle und ein geschützter Selbstbehalt bei tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit.
Bessere Verfahren statt weniger Unterstützung
Andere europäische Staaten zeigen, dass zentrale Verfahren, staatliche Zahlungsintermediation und ein unmittelbarer Einzug an der Einkommensquelle wirksamer sein können als pauschale Leistungskürzungen. Deutschland verfügt bereits über viele rechtliche Instrumente. Jetzt braucht es klare Zuständigkeiten, moderne digitale Strukturen, ausreichend Personal und einen entschlossenen Vollzug.
Unterhalt ist ein Recht des Kindes
Gute Familienpolitik schützt Kinder, stärkt Alleinerziehende und fordert Verantwortung verbindlich ein. Die FREIEN WÄHLER Frauen Bayern setzen sich vehement für Frauen und Kinder ein. Unterhalt ist ein Recht des Kindes. Dieses Recht muss durchgesetzt werden.
Unsere klare Haltung lautet:
Leistungsfähige Unterhaltspflichtige müssen zuverlässig für ihre Kinder aufkommen. Der Staat muss bestehende Ansprüche konsequent durchsetzen. Frauen und Kinder dürfen nicht für das Fehlverhalten anderer finanziell bestraft werden.
Quelle: UVG-Geschäftsstatistik des Bundesfamilienministeriums, Stand 19. Juni 2026
FREIE WÄHLER Frauen Bayern