Frauen erfüllen auf landwirtschaftlichen Betrieben viele wichtige Positionen wie Betriebsleitung, Arbeitskraft in der Familie, Mutter, Partnerin, Pflegekraft (für die Altenteiler) und vieles mehr. Frauen in der Landwirtschaft sind hier sehr herausgefordert und zeigen einen großen Einsatz für ihre Familien und Betriebe.

Viele Frauen sehen sich selbst in der Rolle der „Allrounderinnen“, d. h. sie sind in den verschiedensten Arbeitsbereichen auf dem Betrieb tätig, die zum Gesamterfolg des Betriebes unerlässlich sind.

Obwohl Frauen einen enormen Beitrag leisten, wird ihre Arbeit wenig anerkannt und sie verfügen im Vergleich selten über Betriebseigentum und ausreichende soziale Absicherung. Vor allem Frauen wird der Zugang zu Krediten für eine landwirtschaftliche Betriebsgründung erschwert. Unter diesen Voraussetzungen sollte jede Frau auch ihre soziale und rechtliche Absicherung im Blick haben.

Da die Familien- und Partnerschaftsmodelle noch weitgehend traditionell gefärbt sind, verantworten Frauen neben der Kindererziehung zusätzlich und ohne zusätzliche Entlohnung, vor allem Bereiche „Direktvermarktung und hofeigene Verarbeitung“, „Tourismusangebote“, „soziale Dienstleistungen“ und „Pferdehaltung“. Das gesamte Einkommen läuft in den Betrieb, der heutzutage breit aufgestellt sein muss.

Im Jahr 2020 wurden fast 90 % der landwirtschaftlichen Betriebe von Männern geleitet. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit in der Betriebsleitung im europäischen Vergleich. Deshalb ist es für die Frauen wichtig sich von Anfang an um die Absicherung zu kümmern. Die Landwirtschaftliche Alterskasse (LAK) gehört zu den öffentlich-rechtlichen Pflichtsystemen. Sie stellt aber nur eine Teilsicherung dar, d. h. die Versicherten sind angehalten, weitere Formen der Altersvorsorge zu nutzen. Frauen müssen zusätzlich privat für das Alter vorsorgen, da sie sonst nicht ausreichend abgesichert sind. Die Alterssicherung von Frauen in der Landwirtschaft setzt sich überwiegen aus mehreren Bausteinen zusammen. Viele Frauen fühlen sich dennoch nicht ausreichend abgesichert oder haben sich noch gar nicht mit der Frage beschäftigt. Durch Besonderheiten des Agrarrechtssystems entsteht im Fall der Trennung / Scheidung bzw. des Todes des Betriebsinhabers insbesondere für eingeheiratete (Ehe-)partnerinnen ein erhöhtes Risiko. Haben die Partner für diese Situationen keine Vorkehrungen getroffen - z.B. in Form eines Ehe-, Partnerschaftsvertrags, Testaments oder einer Lebensversicherung - können die erb- und Arbeitsgemeinschaft FREIE WÄHLER Frauen Bayern E-Mail: frauen@fw-bayern.de www.freie-waehler-frauen-bayern.de bewertungsrechtlichen Sonderregelungen für landwirtschaftliche Betriebe zu Altersarmut führen. Wir FREIE WÄHLER Frauen Bayern appellieren an die Frauen und deren Familien, frühzeitig tätig zu werden, die vielfältigen Informations- und Beratungsangebote zu nutzen und jedes Familienmitglied individuell abzusichern.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist vor allem in der Landwirtschaft eine Herausforderung, da die vielfältigen Anforderungen an Frauen, die auf landwirtschaftlichen Betrieben leben und arbeiten, sehr hoch sind.

Die deutsche Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Nicht nur die Klimakrise, sondern auch der demographische Wandel und die Pluralisierung der Lebensformen erfordern eine nachhaltige Veränderung der landwirtschaftlichen Wirtschafts- und Lebensweise. Wichtige Schritte für Frauen sind auf diesem Weg sichere und faire Arbeitsbedingungen. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass die faktische gemeinsame Betriebsführung zukünftig auch in der Agrarstatistik erfasst sein muss. Denn auch wenn Haushalt und Familie zum Großteil weiterhin in Frauenhand liegen, verstehen sich viele als (Mit-)Unternehmerinnen und bringen in überwiegend auch ihre Arbeitskraft mit ein.

Geschlechtergerechtigkeit braucht Sichtbarkeit in Beruf, Familie und Ehrenamt sowie die finanzielle Anerkennung der Frauen in der Landwirtschaft.