Im Februar 2021

Zukunft Schule beginnt heute                                                          

Handlungsempfehlung der FREIEN WÄHLER Frauen Bayern

Die letzten Monate der Corona-Pandemie machen uns bewusst, dass wir sehr flexibel, aufgeschlossen und mit Weitsicht auf die Situationen, die uns das nicht berechenbare Virus beschert, reagieren müssen.

Bayern hat ein hervorragendes Bildungsniveau. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, braucht es ein klares Konzept, mit dem wir heute die Corona-Krise meistern und gleichzeitig die Grundlagen für die Schule von Morgen legen!

Dazu haben die FREIE WÄHLER FRAUEN folgende Handlungsempfehlungen erarbeitet:

Bildung kostet Geld:

Seit 2018 hat der Freistaat Bayern seine Investitionen in die Digitalisierung mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro fast verzehnfacht. Durch den Digital Pakt und außerordentliche Fördermittel wurden Gelder für die technische Ausstattung der Schulen und Leihgeräte für Schüler im Distanzunterricht verteilt. Gegenüber dem Vorjahr mit 49.000 Geräten stehen mittlerweile 184.000 Notebooks und Tablets zur Verfügung (Stand 19.1.2021). Doch der Breitbandausbau hält nicht, was versprochen wurde - kein Internet, kein Unterricht! Hier muss das bayerische Staatsministerium für Finanzen und Heimat wesentlich deutlicher in die Verantwortung genommen werden und die Kapazitäten für Homeoffice und Distanzunterricht erhöhen.

Der absolut gerechtfertigten Forderung nach Lehrerdienstgeräten wurde Rechnung getragen. Mit dem Startschuss am 12. Januar stellen Bund und Land Mittel in Höhe von 93 Mio. Euro zur Verfügung. Wobei hier die geltenden Ausschreibungs- und Vergaberichtlinien und teilweise lange Lieferfristen zu bedauerlichen zeitlichen Verzögerungen führen.

Die IT-Branche in den Schulen fest installieren:

Lehrer sind grundsätzlich Pädagogen und keine IT-Fachleute. Umso mehr ist ihr außerordentliches Engagement zu würdigen, die Distanzbeschulung unserer Kinder unter schwierigen Umständen auszubauen. Die Fortbildungsoffensive für digitale  Lehrkompetenzen wird gut angenommen: Über 100.000 Personen haben sich seit September 2020 in Online-Module eingeschrieben, allein an den eSessions nahmen 90.000 LehrerInnen teil.

Zur Sicherstellung des digitalen Unterrichtes werden den Schulen IT-Fachleute und Systembetreuer zur Seite gestellt. Hierfür sind in erster Linie die Schulaufwandsträger zuständig. Jedoch hat der Freistaat eine umfangreiche Förderperiode eingeleitet: für technischen Support, Wartungsverträge und Weiterbildung der IT Administratoren stehen bis 2024 jährlich rund 40 Mio. Euro zur Verfügung. Danach werden die Kommunen dauerhaft  paritätisch bei den Kosten für Wartung und Pflege unterstützt.

Digitale Klarheit:

Mit der BayernCloudSchule legt das Kultusministerium ein Videotool und eine funktionierende Plattform mit best-practice Beispielen und Lernmaterial auf, welche die Ansprüche des Datenschutzes erfüllen. Das bringt digitale Klarheit und erleichtert Eltern, Kindern und Lehrkräften die Kommunikation während Zeiten des Distanzunterrichts. Außerdem stehen die Angebote der mebis Lernplattform nach intensiven Fehleranalysen und technischer Optimierung wieder zuverlässiger zur Verfügung.

Bildungsgerechtigkeit:

Die Wechselbeschulung verlangt den Kindern viel ab. Deshalb wird eine Wiederholung des Schuljahres 2019/20 bzw. 20/21 nicht auf die Höchstausbildungsdauer angerechnet. Reduzierung der Leistungsnachweise, Verschiebung der Termine für Zwischenzeugnis und Abschlussprüfungen sollen für die SchülerInnen faire Rahmenbedingungen schaffen.

Lüftungskonzepte:

Im Oktober 2020 legte die Staatsregierung ein bayerisches Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen bis zu 50 Mio. Euro zur Umsetzung technischer Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften auf. In der ersten Antragsrunde wurden bis Ende Dezember 2020 von  ca. 65 % der Schulaufwandsträger Förderanträge auf CO2-Sensoren gestellt und mobile Luftreiniger für über 4.000 Räume beantragt, die nicht gezielt belüftet werden können. Mit der zweiten Antragsrunde können nicht abgerufene Fördermittel in Höhe von 14 Mio. Euro für Klassen- und Fachräume eingesetzt  werden, um die mögliche Fensterlüftung zu unterstützen.

Schulbusverstärker

Seit Beginn des Schuljahres unterstützt der Freistaat die Kommunen beim Einsatz zusätzlicher Busse, um das Infektionsrisiko für die SchülerInnen auf dem Weg zur Schule zu minimieren. Inzwischen wurde die Fördersumme auf 40 Mio. Euro verdoppelt. Damit ist eine hundertprozentige Kostenübernahme bis zu den Sommerferien für eine sichere Beförderung im Präsenzunterricht garantiert.

Wir FREIE WÄHLER FRAUEN sind Mütter, Großmütter, Hausfrauen, Erzieherinnen, Lehrerinnen, Elternbeirätinnen, Politikerinnen und in verschiedensten Berufen tätig. Wir wünschen uns zum Wohle aller Beteiligten eine gelingende Erziehungspartnerschaft. Deswegen sprechen wir folgende Empfehlungen aus:

Orientierung an regionalen Inzidenzwerten:

Zum Schutz der Gesundheit aller für den Schulbetrieb verantwortlichen Personen muss die Einhaltung eines konkreten Stufenplanes unbedingt berücksichtigt werden. So kann gezielt auf das lokale Infektionsgeschehen reagiert und Planungssicherheit – besonders für die Kinder - bis zu den Sommerferien geschaffen werden. Dabei ist auch eine Differenzierung nach Schularten und ihrem Gefährdungspotential notwendig, denn neue Mutationen wie B117 scheinen nun auch für junge Erwachsene sehr aggressiv zu sein. Hier sind Berufsschulen/Berufsoberschulen/Fachoberschulen/Fachakademien und Ähnliche zu nennen, bei denen Unterrichtsblöcke, Distanzunterricht und Beschränkung der Präsenz auf Abschlussprüfungen denkbar sind.

Betreuung in Förderschulen und Kindertageseinrichtungen

SchülerInnen mit Beeinträchtigung der geistigen oder motorischen Entwicklung brauchen feste Strukturen und ihre Therapien. Ohne Schulunterricht stehen Eltern zusätzlich vor großen Herausforderungen in der Bewältigung des Alltages im Lock down und der Pflege, die sie allein kaum stemmen können. Da diese Kinder oft den Risikogruppen angehören, ist auf Gesundheitsschutz bei Schülern und Lehrern zu achten. Genauso wie den Pflegekräften im Krankenhaus, ist den Lehrern und pädagogischem Fachpersonal Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen, wo und wie es die Situation erfordert.

Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sollen auf Wunsch vorrangig geimpft und ausreichend mit FFP2 Masken versorgt werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um die durchgängige Betreuung der Kinder aufrecht halten zu können.

Fokus auf das Wesentliche:

Die Vorgaben des Lehrplanes sind in dieser Situation nicht zu erfüllen, viele Lerninhalte bauen jedoch aufeinander auf. Brückenkurse müssen im kommenden Schuljahr an allen weiterführenden Schulen in den Kernfächern verbindlich eingerichtet werden, um Lerndefizite aufzuholen und gleiche Voraussetzungen zu schaffen.

Für den aktuellen Prüfungsjahrgang sollten die Lehrer bei den zentral gestellten Prüfungsaufgaben eine breit gefächerte Themenauswahl zur Verfügung haben. Damit wird sichergestellt, dass die Schüler sich in den Stoffbereichen bewähren können, in denen sie auch unterrichtet wurden.

Für den kommenden Prüfungsjahrgang 21/22 ist für alle Schularten eine sofortige Anpassung des Lehrplans mit verpflichtenden Inhalten für die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Englisch unabdingbar. Es muss Planungssicherheit für Lehrer und SchülerInnen geschaffen werden. Die Bildungsschere darf nicht weiter aufgehen!

Das Schulpaket MS Teams wird von einer Vielzahl von Lehrkräften gut angenommen, hat sich im Schulalltag bewährt und ist stabil. Als eine bereits gut eingeführte Ergänzung  zur BayernCloudSchule  sollten hier rechtzeitig Vorkehrungen für einen dauerhaften Einsatz an den weiterführenden Schulen getroffen werden.

Das digitale Klassenzimmer ist ein geschützter Raum und braucht Regeln, die erarbeitet und eingefordert werden müssen, um ordentlichen Schulunterricht zu ermöglichen und Schüler sowie Lehrer vor missbräuchlicher Zurschaustellung im Netz zu schützen.

In die Hochschulausbildung unserer Pädagogen sollen verpflichtende Kurse in Medienpädagogik und –didaktik aufgenommen werden. Mit dieser Erweiterung und Qualifikation ist nach unserem Erachten die Voraussetzung für eine Gleichstellung der Anfangsbesoldung für alle Lehrer auf A13 gegeben.

Faschingsferien

Die bewährte Strukturierung des Schuljahres mit Erholungspausen für die SchülerInnen und Lehrkräfte sollte gerade in der kräftezehrenden Corona-Zeit beibehalten werden. Wir empfehlen einen Kompromiss: ein verlängertes Faschingswochenende zum Durchschnaufen und Aufnahme des Unterrichtes ab Aschermittwoch.

Rück- und Vorschau

Die Erfahrungen aus den letzten 12 Monate zu Schule unter Corona Bedingungen müssen sofort evaluiert werden. Zum einen brauchen wir eine verlässliche Strategie für das kommende Schuljahr 2021/22. Zum anderen dürfen wir den Anschub in der Digitalisierung nicht verflachen lassen, nachdem auf allen Seiten so viel Zeit, Mühen und Geld eingebracht wurden.

Geschlechtergerecht aus der Krise

Die Politik muss die Voraussetzungen schaffen, um die Gleichstellung der Frauen zu erreichen. Das Corona Virus hat wie unter einem Brennglas die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sichtbar gemacht. Unser ganzes Leben wurde auf den Prüfstand gestellt. Die Frauen tragen in dieser Krise die Hauptlast, unserer Gesellschaft droht ein Rückfall in veraltete Rollenbilder!

Die Politik muss sich dieser Probleme annehmen und JETZT mit gleichstellungspolitischen Maßnahmen für MEHR Geschlechtergerechtigkeit sorgen! Daher fordern wir, dass Betreuungsmöglichkeiten außerhalb des Haushalts auch in Corona Zeiten erhalten bleiben. Das ist essentiell für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

In der aktuellen Situation müssen Eltern unter Umständen Arbeitsstunden reduzieren oder gar den Job zeitweise zur Bewältigung der Betreuung ihrer Kinder aufgeben. Wie Unternehmen sollen auch diese Familien Unterstützungsgelder erhalten, bspw. mit der Einführung eines Corona-Elterngeldes.

Zukunft Schule beginnt jetzt!

Bei der absolut verständlichen Forderung nach einer funktionierenden Technik – die Digitalisierung ist nur eine Säule der modernen Bildungslandschaft!

Zum gelingenden Lernen muss unser Anspruch sein, die Schüler in ihrer ganzheitlichen Entwicklung zu begleiten. Im Vordergrund des Unterrichts stehen neben der Wissensvermittlung die Pflege der sozialen Kontakte und das seelische Wohlbefinden unserer Kinder. Folglich geht es darum, moderne Technik, innovative Unterrichtsmethoden und pädagogische Konzepte so miteinander zu verknüpfen, dass die jungen Menschen an unseren Schulen maximal profitieren. Schule ist Lebensraum, ist mehr als nur Lernen. Schule muss Freude machen!

Der Vorstand der FREIEN WÄHLER Frauen Bayern

  1. Vorsitzende: Kerstin Haimerl-Kunze

Stellv. Vorsitzende: Mary Fischer

Stellv. Vorsitzende: Angelika Lippert

Pressesprecherin: Pauline Miller

Schriftführerin: Heike Fuchs

mailto:frauen@fw-bayern.de

www.freie-waehler-frauen-bayern.de